Karibikfeeling
- Cartagena a Santa Marta, Colombia
- Jun 3, 2017
- 3 min read
Updated: Mar 12, 2021
Nach einem kurzen Flug aus Medellín sind wir noch vor dem Mittag in Cartagena gelandet und uns zugleich auf den Weg in die Altstadt gemacht. Wir wussten nicht genau, was uns erwarten würden, denn nicht wenige Reisende, die wir getroffen hatten, fanden die Stadt zu touristisch, andere wiederum schwärmten, wie schön es war. Wir gehören definitiv zum zweiten Lager. Die Stadt war so anders als Bogotá oder Medellín, wunderschön farbig alles, Karibikfeeling, warmes Klima und mal wieder strahlend blauer Himmel und dazu eine Altstadt mit zahlreichen schönen Kolonialbauten. Wir bereuten einzig, nicht mehr Zeit hier zu haben, denn wir hätten uns an die 30 Grad gewöhnen können.
Cartagena gibt es schon seit 1533 und sie ist damit eine der ersten Städte im Norden Südamerikas, welche die Spanier gründeten. In den Folgejahren wuchs die Stadt rasch und wurde regelmässig von spanischen Schiffen angefahren, die weiter nach Santo Domingo oder Portobelo (Panama) segelten. Um die Stadt von ihrer spanischen Namensgeberin zu unterscheiden, hiess sie mit vollem Namen Cartagena de Indias. Dies in Anlehnung an die damalige Bezeichnung der spanischen Karibikinseln, die als Westindien bekannt waren.
Cartagena gilt als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas, zählt heute gut eine Million Einwohner und zieht tatsächlich viele Reisende an. Schon zu Zeiten, als Kolumbien noch ein gefährliches Reiseland war, galt Cartagena als sichere und bestbewachte Stadt in Kolumbien, nicht zuletzt, weil die Marine dort ihren Hauptstützpunkt hat. Von den bewaffneten Konflikten war Cartagena kaum betroffen. Als Trivia ist zu erwähnen, dass in Cartagena und dem Umland grosse Teile des Bud-Spencer-Films «Banana Joe» gedreht wurden, das musste jetzt mal gesagt sein ;-).
Nachdem wir ein Zimmer in der kleinen Casa Venita in der Altstadt gefunden hatten, verleitete uns unser Hunger dazu, gleich bei der erstbesten Suppenküche eine Rast einzulegen. Wir hatten schon besser gegessen, aber immerhin waren wir fürs erste satt. Die Altstadt ist von einem mächtigen Festungsring umgeben und galt früher lange als uneinnehmbar. Enge Gassen und schöne Plazas verbinden die zahlreichen gut erhaltenen andalusischen Paläste und Kathedralen, diese Teile von Cartagena gehören seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Unsere Unterkunft lag in der Altstadt im Quartier Getsemaní, das früher das Viertel der kleinen Leute und Handwerker war.
Wir schlenderten den ganzen Tag durch die engen Gassen, genossen nachmittags Früchte und Glace, wie es zum Sommerfeeling dazugehört und gegen Abend auch mal ein kaltes Bier am „Malecón“, der Festungsmauer entlang der Küste. Dort gab es aber auch sehr viele Verkäufer mit allerlei unnützen Dingen, die einem zwar Leid taten, aber gleichzeitig auch etwas aufdringlich waren. Wer Kolonialbauten mag, kommt am Hafen nicht zu kurz, denn dort stehen eindrückliche historische Gebäude.
So verloren wir uns in Cartagena und es wurde Abend. Im Stadtzentrum fanden wir einen hochgradig romantischen Tisch auf einem kleinen Zweierbalkönchen in einem Restaurant, das eher eine Bar mit Live Musik, Salsa und Drinks war. An den Wänden hingen grosse Bilder, die irgendwie nicht so recht passen wollten, aber trotzdem lässig waren…. Jedenfalls haben wir eine der besten Pizzas bekommen, an die wir uns erinnern können, stets etwas besorgt, dass der Balkon bald unter uns wegbrechen könnte ;-).
Auf dem Weg zu unserem Hostel sind wir wieder an der Iglesia de la Santísima Trinidad, der Kirche der heiligen Dreifaltigkeit, vorbeigekommen. Wo wir tagsüber einen leeren Vorplatz unter der brütenden Sonne angetroffen hatten, tanzte nun der Bär. Wir trauten unseren Augen kaum, denn es hatten sich sicher über 200 Leute zum Freiluft-Zumba zusammengefunden. Es wurde getanzt und geschwitzt, was das Zeug hielt, denn es war bei hoher Luftfeuchtigkeit immer noch fast 30 Grad warm. Während Gonca ihre Pizza in der Zumba-zuckenden Menschenmenge wieder abtrainierte, nahm Patrick es gemütlicher und wunderte sich, wie viele Arten von Leggings es doch gab ;-).
Stillsitzen war in Cartagena also nicht möglich, das war uns schon vorher aufgefallen. Überall gab es Live Musik und Performances zu bestaunen. Durch die verschiedenen kulturellen Einflüsse, welche die Stadt und ihre Bewohner über die letzten Jahrhunderte geprägt haben, ein grosser Teil der Bevölkerung ist afrikanischer Abstammung, hat Cartagena im Vergleich mit anderen kolumbianischen Städten einen ganz eigenen Charakter entwickelt.
Dennoch war für uns am nächsten Tag Ausschlafen angesagt, und wir nahmen uns Zeit die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Auf unserer Reise haben wir nämlich gelernt, dass Weniger manchmal Mehr ist. Am späten Nachmittag erst haben wir uns dann mit dem Bus nach Santa Marta aufgemacht, einer Stadt etwa halb so gross wie Cartagena, von wo aus sich der Tayrona Nationalpark östlich entlang der Karibikküste erstreckt. Dort wollten wir die nächsten zwei Tage wandern und die Nacht wieder einmal unter freiem Himmel verbringen, die letzte Zelt-Nacht in Peru war schon lange her. So liessen wir den Tag in Santa Marta auf der Dachterrasse unseres Hostels in Hängematten ausklingen und freuten uns auf den Trek.
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