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Berge, Schokolade und Schnee: La Suiza de Argentina

  • San Carlos de Bariloche, Argentina
  • Mar 10, 2017
  • 4 min read

Nachdem wir unsere Kalorienspeicher in El Calafate wieder aufgefüllt und Gonca ihre PhD-Korrekturen abgeschlossen hatte, flogen wir nach San Carlos de Bariloche, kurz Bariloche. Das Wetter spielte ebenfalls mit, als wir bei strömendem Regen ankamen :-). Die Stadt hat gut hunderttausend Einwohner und ist Teil des 7‘500 Quadratkilometer grossen Parque Nacional Nahuel Huapi. Die Stadt liegt am gleichnamigen, idyllischen Lago Nahuel Huapi, der mit ca. 500 Quadratkilometern eine ähnliche Grösse wie der Bodensee aufweist. Vom Wellengang her erinnert der Lago Nahuel Huapi allerdings eher an ein Meer als einen See. Die Region wird auch als Argentiniens Lake District bezeichnet, da es mehrere grosse und zahlreiche kleine Seen gibt.


Bariloche wird oft als die Schweiz Argentiniens bezeichnet - gemäss Gonca, weil sie Österreich nicht kennen - und tatsächlich finden sich dort viele Bauten im mehr oder weniger gelungenen alpinen Chalet-Stil, teils sogar mit Kantonswappen. Im Zentrum befinden sich mehrere Hauptstrassen mit vielen Läden. Unter anderem gibt es unzählige Schokoladengeschäfte, deren Erzeugnisse sehr gut schmecken, wie wir uns selber überzeugt haben. Natürlich ist auch Österreich gut vertreten beispielsweise mit dem Hotel Tyrol. Auch wenn die Landschaft und Vegetation der Schweiz und Österreich ähnlich ist, so ist doch alles mehrere Nummern grösser als bei uns. Das kennen wir aber bereits seit unseren Wanderungen in Patagonien mit riesigen Gletschern, Flüssen und Seen.


Bariloche hat auch sonst Ähnlichkeiten mit der Schweiz, denn man kann sich in den umliegenden Gebirgen vielfältig körperlich betätigen. Wer in Argentinien die Ausbildung zum Bergführer absolvieren will, kann dies entweder in Bariloche oder Mendoza tun. Im Winter ist Bariloche der beste Ort in Argentinien für Schneesport. So sollen gegen Ende Winter oft bis zu zwei Meter Schnee im Gebirge liegen. Wir wollten uns dies genauer ansehen und entschieden uns, eine Wanderung zum Refugio Emilio Frey zu unternehmen. Dafür fuhren wir in das 20 Kilometer entfernte Villa Catedral, dem Dorf am Fusse des gleichnamigen Skigebiets rund um den Cerro Catedral, einem rund 2‘000 Meter hohen Gebirgszug. Von dort fuhren wir mit zwei Bergbahnen hoch zur Punta Princesa. Sofort nahmen wir zur Kenntnis, dass es sich bei der eher antiquierten Gondelbahn um ein Exemplar der Schweizer Firma CWS handelte und die Gondeln von der Vorarlberger Firma Doppelmayr hergestellt waren. Wir fühlten uns sicher :-). Auf der Fahrt hoch zur Bergstation sahen wir auch, dass der Pistengestaltung in Argentinien kaum Grenzen gesetzt sind: Mit mehreren Pistenfahrzeugen wurden grosse Mengen Erde und Geröll umhergeschoben, so dass der ganze Berg einer Baustelle glich. Ein krasser Gegensatz zur Schweiz oder Österreich, wo bereits Grassnarben im Winter einem Verbrechen ähnlich sind.


Von der Bergstation aus starteten wir dann dem Kamm entlang zu einer rund vierstündigen Wanderung zum Refugio Emilio Frey. Zwar galt es dabei keine grosse Höhendifferenz zu überwinden, durch die riesigen Felsformationen mussten wir aber über weite Strecken eher bouldern als wandern. Die Aussicht vom Gebirgskamm über den Lago Gutierrez, die Flusstäler und schöne Berge war so beeindruckend, dass wir wieder einmal etwas die Zeit vergasen. Wir konnten gerade noch mit der Dämmerung den steilen Abstieg runter zur Laguna Schmoll bewerkstelligen. Den weiteren Weg entlang der Laguna Toncek musste wir dann im Dunkeln bewältigen. Wir waren überrascht über die vielen Zelte im Refugio Emilio Frey, da wir während der Wanderung stets alleine waren. Rund um die Steinhütte befanden sich in steilem und steinigen Gelände wohl ca. 50 Zeltplätze. Mit Mühe fanden wir einen, der knapp genügend gross war für unser Zelt. Wie wir später herausfanden, war das Camp so gut besucht, weil eine Gebirgstruppe der argentinischen Armee dort nächtigte und am nächsten Tag Mehrseillängen kletterte. Die Gegend um das Refugio Emilio Frey gilt als eines der besten Klettergebiete in Argentinien. Das wussten wir natürlich schon vorher und wären nur zu gerne selber geklettert, aber in ganz Bariloche fanden wir keinen Laden, der uns die Ausrüstung vermieten konnte. In Argentinien wird Klettern gern als organisierte Tour angeboten, ohne eigene Ausrüstung ist es oft schwieriger.


Nach einem nahrhaften Pasta-Nachtessen und der obligaten Flasche Malbec legten wir uns schlafen. Die Nacht war sternenklar und wieder einmal forderte ein starker Wind unser Zelt heraus. Am nächsten Morgen entschieden wir uns, die gleiche Strecke zurückzuwandern und kamen nach mehreren Stunden erschöpft im Tal an. Die hippe Cervecería Patagonia entschädigte uns für die strenge Wanderung. Die letzte Nacht verbrachten wir ausserhalb von Bariloche in einer kleinen Cabaña direkt am Lago Perito Moreno, was dem klassischen Bild des “Hauses am See“ entsprach, wo uns am nächsten Morgen schon früh die Sonne begrüsste. Nach einer netten Unterhaltung mit Paulo, dem Eigentümer der Cabañas, fuhren wir mit unserem Mietwagen entlang des Circuito Chico, einer von malerischen Landschaften gesäumten Panoramastrasse. Unter anderem fuhren wir auch an einer kleinen Ortschaft mit dem Namen Colonia Suiza vorbei, die ihren Namen den ursprünglich aus der Schweiz eingewanderten Siedlern verdankt. Entlang der Strecke liegt auch Argentiniens berühmtestes Hotel, das Llao Llao, das einst die Ein-Peso-Banknote Argentiniens zierte. Dieses ist zwar mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, sieht aber eingebettet in die Seenlandschaft des Lago Nahuel Huapi nach wie vor sehr spektakulär aus (Bild mit Banknote).


Danach machten wir uns auf den Rückweg nach Bariloche, wo wir den Bus ins chilenische Puerto Montt nehmen würden. Für einmal schien zeitlich alles gut aufzugehen. Kurz vor der Abfahrt merkten wir aber, dass wir im netten Gespräch am Morgen beim Check-out so vertieft waren, dass Patricks Reisepass im Hotelscanner hinter der Rezeption liegenblieb. Ein kurzer Anruf beim Hotel und Paulo war bereits unterwegs mit dem fehlenden Dokument. Die Busfahrer hatten einiges Verständnis mit uns und warteten, obwohl die Langstreckenbusse sonst auf die Minute genau losfahren. Nach einer halben Stunde riss dem Chauffeur aber der Geduldsfaden und unsere ganz hinten im Bus verstauten Rucksäcke wurden mühsam wieder ausgegraben und ausgeladen. Als Paulo eine Minute später mit dem Reisepass vor Ort war, konnten wir den Bus gerade noch aus dem Busterminal abbiegen sehen. Ihm nachzufahren und aufzuhalten, wie es Paulo vorschlug, war aber keine Option mehr, da die Stimmung der Buschauffeure mittlerweile sehr finster geworden war. Wir hatten wirklich ein schlechtes Gewissen, einen internationalen Bus über eine halbe Stunde aufgehalten zu haben und hätten im Boden versinken können, als man unser Gepäck wieder auslud. Da alles Jammern nichts half, verbrachten wir einen weiteren netten Abend in Bariloche und kamen mit einem Tag “Verspätung“ in Puerto Montt an, wo unsere Reise auf der Carretera Austral weitergehen solle, diesmal vom Norden in den Süden.


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